Der Jahresbericht der Informationsstelle Antisemitismus NRW ist besorgniserregend: Es gibt wieder einen Anstieg der Vorfälle.
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Der Antisemitismus hat sich zunehmend in der Gesellschaft verfestigt und tritt immer offener und ungehemmter auf, hieß es bei der Vorstellung. Die Meldestelle RIAS NRW kann seit Beginn ihrer Arbeit im Jahr 2022 einen kontinuierlichen Anstieg verzeichnen. 2023 wurden 664 Vorfälle dokumentiert, 2024 waren es 940 und 2025 stieg die Zahl auf 1.102. In mehr als der Hälfte aller festgestellten Fälle habe es sich 2025 um israelbezogenen Antisemitismus gehandelt.
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RIAS-Leiter Jörg Rensmann schilderte ein Beispiel aus Winterberg (Hochsauerlandkreis): Im Dezember 2025 wurden an einem Wohnhaus die Schriftzüge “Ich töte dich”, “Du Jude sterbe”, “Juden töten”, “Zecken töten”, “Jude verrecke”, ein Davidstern, drei Hakenkreuze und “SA” angebracht. Laut Aussage der Staatsanwaltschaft sei die Schmiererei direkt an einen nicht jüdischen Betroffenen adressiert gewesen. Es wird wegen Volksverhetzung und Bedrohung ermittelt. An anderen Stellen (Plakate, Schaukästen, Kirchenfenster) wurden zeitgleich Hakenkreuze und rechtsextreme Kürzel wie “SH” (Sieg Heil) oder “C18” (für Combat 18, eine verbotene rechtsextreme, militante Vereinigung) festgestellt.
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Der Geschäftsführer der Kölner Synagogengemeinde, Oren Osterer berichtete, dass die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle für seine Gemeinde “deutlich spürbar” ist. Das zeigten unter anderem die antisemitischen Schmierereien rund um die Kölner Synagoge. Besonders besorgt sei er über die Entwicklung an Schulen. Denn von dort würden vermehrt Übergriffe und verbale Attacken berichtet. Am 07. Oktober 2023 gab es den Terroranschlag der Hamas in Israel. Nach dem darauf folgenden Gaza-Krieg würden Jüdinnen und Juden ihre Religion nicht mehr öffentlich erkennbar machen, die Synagoge werde zudem seltener besucht.
Marcel Hafke, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion NRW, sagte die Zahlen aus dem RIAS-Bericht “sind ein deutliches Warnsignal”. Hetze auf Demonstrationen, in sozialen Netzwerken oder an Hochschulen betreffe dabei nicht nur jüdisches Leben, “sondern unser gesellschaftliches Miteinander und die freiheitliche Demokratie insgesamt”. Es dürfe nicht sein, dass Menschen das Gefühl hätten, ihre Religionszugehörigkeit nicht frei auf der Straße zeigen zu können. “Wer jüdisches Leben schützt, schützt die Freiheit aller. Antisemitismus darf in Nordrhein-Westfalen niemals als Meinung verharmlost werden. Er ist und bleibt eine Gefahr für unsere Demokratie.”
Die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, Sylvia Löhrmann, sagte dem WDR, die aktuellen Zahlen von RIAS NRW “sind erschütternd und können keine Bürgerin und keinen Bürger Nordrhein-Westfalens – mich eingeschlossen – gleichgültig lassen”. Der Zusammenhalt, das friedliche Miteinander und die Demokratie würden durch Judenhass “nachhaltig und massiv angegriffen”.
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Sebastian Salzmann von der “Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus”, kurz SABRA, sagte dem WDR: “Die Entwicklung ist aus unserer Sicht äußerst besorgniserregend, überrascht uns aber leider nicht. Die steigenden Fallzahlen decken sich mit den Erfahrungen aus unserer Beratungsarbeit.” Betroffene berichteten von zunehmenden Anfeindungen im Alltag und einer “Enthemmung antisemitischer Sprache und Verhaltensweisen”. Die Präventionsarbeit müsse darum weiter ausgebaut werden und brauche eine auskömmliche Finanzierung
RIAS NRW wird seit 2022 durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration gefördert. Laut Ministerium ist die Aufgabe von RIAS NRW, antisemitische Vorfälle zu dokumentieren und zu analysieren. Zudem biete RIAS Betroffenen eine erste Anlaufstelle. Es gehe auch darum, das Dunkelfeld zu erhellen, Antisemitismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen sichtbar und auch für die nicht-jüdische Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen. In elf weiteren Bundesländern gibt es ähnliche Meldestellen.

